Milein Cosman (1921-2017)

Wer Milein Cosman kannte, erinnert sich an die zierliche, drahtige Person, die eine schier unbändige Lebenslust und Neugierde ausstrahlte.

Mit offenen Augen ging sie durchs Leben, und alles, was sie mit ihren Sinnen einfing, bannte sie mit schnellem Strich aufs Papier. Über Jahrzehnte zeichnete sie wie besessen: im Gespräch, aber auch während Theaterbesuchen oder auf Konzerten.

Geboren 1921 in Gotha, verbrachte Cosman ihre Kindheit in Düsseldorf und in einem Internat in der Schweiz. Zum Kunststudium ging sie 1939 nach England, wohin ihre jüdische Familie 1938 vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten hatte fliehen müssen. Milein arbeitete als Illustratorin für Sach- und Kinderbücher, aber auch für verschiedene Illustrierte und war bald bekannt als eine der führenden Portraitistinnen Englands. Seit 1946 lebte sie in Hampstead im Norden Londons, eingebunden in einen großen Freundeskreis, zu dem auch viele exilierte Künstler wie Fred Uhlmann oder John Heartfield gehörten. 1947 traf sie ihren zukünftigen Mann, den Musikwissenschaftler und -kritiker Hans Keller (1919-1985).

Archiv und Sammlung

Im Frühjahr 2017 nahm eine Mitarbeiterin der Kunstsammlung der Akademie Kontakt mit Milein Cosman auf. Bei einem Besuch erzählte die 96jährige lebhaft und voller Verve von ihrem bewegten Leben, ihrer Kunst und ihren vielen Freundschaften. In einer großzügigen Geste schenkte Milein Cosman der Akademie eine Reihe ihrer Zeichnungen und Radierungen. Bei dem Konvolut handelt es sich um ein eindrucksvolles Panorama der Kunstszene der Nachkriegsjahre. Besonders die vielen Portraits von Künstler*innen, die sie im Laufe ihres Lebens traf und portraitierte, sind beindruckend: Helene Weigel skizzierte sie als Mutter Courage während eines Gastspiels des Berliner Ensembles 1956. Die Gesichter von Joseph Beuys oder ihrer Freundin, der Künstlerin Marie-Luise von Motesiczky, bannte sie ebenso auf Papier wie die Schriftsteller Thomas Mann, Friedrich Dürrenmatt und Erich Kästner. Prominent vertreten sind Musiker, darunter Leonard Bernstein und Igor Strawinsky,der Pianist Alfred Brendel, oder der Cellist Mstislaw Rostropowitsch, deren lebhafte Posen sie geschickt einzufangen wusste. 1949 reiste Cosman in Auftrag des Magazins Heute erstmalig zurück nach Deutschland und portraitierte in Bonn das Adenauer-Kabinett. Es entstanden über 60 Zeichnungen, die Cosman kurz vor ihrem Tod der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags vermachte.

Am 31. März 2021 wäre Milein Cosman 100 Jahre alt geworden. In Kooperation mit der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags bereitet die Akademie eine Ausstellung vor, die coronabedingt verschoben werden musste und an Cosmans 101. Geburtstag eröffnet wird.